Wenn Körper und Psyche gleichzeitig leiden

Depressive Verstimmungen, Angstzustände, Konzentrationsprobleme, innere Leere. Diese Symptome werden von vielen Frauen mit Hypothyreose beschrieben, lange bevor ihre Schilddrüsenerkrankung erkannt wird. Nicht selten werden sie zunächst als psychosomatisch abgetan oder mit einer eigenständigen psychischen Erkrankung erklärt. Dabei ist der Zusammenhang zwischen Schilddrüsenfunktion und mentalem Wohlbefinden gut dokumentiert, wenn auch in der medizinischen Praxis noch nicht immer ausreichend berücksichtigt.

Wie Schilddrüsenhormone das Gehirn beeinflussen

Schilddrüsenhormone sind nicht nur für Stoffwechsel, Herzrate und Körpertemperatur wichtig. Sie spielen eine zentrale Rolle im zentralen Nervensystem. T3, die aktive Form des Schilddrüsenhormons, beeinflusst die Produktion und den Abbau von Neurotransmittern wie Serotonin und Dopamin, die direkt mit Stimmung, Motivation und emotionaler Stabilität zusammenhängen.

Bei einer Unterfunktion, wenn also zu wenig aktives Hormon vorhanden ist, kann dieses fein abgestimmte System aus dem Gleichgewicht geraten. Das Ergebnis sind Symptome, die sich von einer klinischen Depression kaum unterscheiden lassen.

Symptome, die leicht verwechselt werden

Die Überschneidung zwischen Hypothyreose-Symptomen und psychischen Erkrankungen ist erheblich:

Diese Symptome können sowohl Zeichen einer Schilddrüsenunterfunktion als auch einer Depression sein, oder beides gleichzeitig. Genau das macht die Diagnose so schwierig.

Einige Betroffene berichten, dass sie jahrelang mit Antidepressiva behandelt wurden, bevor jemand ihre Schilddrüse überprüfte. Eine einfache Blutuntersuchung hätte früher Klarheit bringen können.

Was die Forschung sagt

Studien zeigen, dass ein erhöhter TSH-Wert, also ein Zeichen für eine unzureichend arbeitende Schilddrüse, mit einer höheren Rate an depressiven Symptomen und kognitiven Einschränkungen assoziiert ist. Interessanterweise zeigen manche Untersuchungen, dass selbst ein TSH im oberen Normalbereich bereits mit schlechterer Stimmungslage und Wohlbefinden verbunden sein kann.

Die Frage, ob eine Optimierung der Schilddrüsenbehandlung psychische Symptome verbessert, wird in der Wissenschaft intensiv diskutiert. Die Antwort scheint individuell zu sein: Bei manchen Frauen verschwinden depressive Symptome weitgehend, sobald die Schilddrüsenwerte gut eingestellt sind. Bei anderen bleibt eine psychologische Begleitung wichtig.

Beides ernst nehmen

Die Botschaft ist nicht, psychische Erkrankungen auf die Schilddrüse zu reduzieren. Sie ist, dass körperliche und mentale Gesundheit eng verwoben sind und beide ernsthaft untersucht werden sollten. Frauen, die unter Stimmungsproblemen leiden, haben das Recht auf eine gründliche Abklärung, die auch die Schilddrüse einschließt. Und umgekehrt sollten Schilddrüsenpatientinnen auch ihre psychische Gesundheit im Blick behalten, ohne sich dafür schämen zu müssen.